Hai News
Wir kämpfen gerade öffentlich um unsere Existenz, und ihr habt ein Recht darauf zu wissen, was wir wie kommunizieren. Damit ihr nachvollziehen könnt, was hinter den Kulissen passiert und warum wir manchmal etwas förmlicher klingen als sonst: Hier sind alle Pressemitteilungen, die wir in diesem Verfahren veröffentlicht haben, chronologisch und ungekürzt.
Die Gemeinde muss jetzt entscheiden, unabhängig vom Kreis
Die Gemeinde Stemwede stellt die Situation öffentlich so dar, als könne sie erst entscheiden, wenn eine naturschutzrechtliche Befreiung des Kreises vorliegt. Das ist rechtlich nicht haltbar. Beide Verfahren sind voneinander unabhängig, die Gemeinde ist als Genehmigungsbehörde verpflichtet, jetzt zu entscheiden. Das hat sie in den Ordnungsverfügungen der vergangenen Jahre stets selbst so gehandhabt, indem die Befreiung lediglich als nachzuweisende Nebenbestimmung aufgeführt wurde und nicht als Voraussetzung für die Entscheidung selbst. Der Bürgermeister hat zudem bereits signalisiert, dass es außerhalb der naturschutzrechtlichen Frage keine substanziellen Einwände gegen die Veranstaltung gibt, und eine Genehmigung in Aussicht gestellt. Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich für die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und der Gemeinde bis hierhin bedanken und dafür, dass eine Genehmigung grundsätzlich in Aussicht gestellt wurde. Diese nun aber von der Befreiung abhängig zu machen ist nicht zulässig.
Eine Befreiung vom Umweltamt wird nicht benötigt
Darüber hinaus sind wir der Auffassung, dass das Festival ohnehin keiner Befreiung bedarf. Bei der Neuausweisung des Landschaftsschutzgebietes 2018 wurde uns ausdrücklich zugesichert, dass die Veranstaltungen auf dem Waldfrieden-Gelände unter Bestandsschutz fallen und wie bisher weitergeführt werden können. Der Kreis argumentiert heute, dieser Bestandsschutz greife nicht mehr, weil das Festival seitdem gewachsen sei. Das Gegenteil ist der Fall. Wie wir bereits durch die Veröffentlichung der Besucherzahlen der letzten Jahre belegt haben, sind beide Festivals seit den Corona-Jahren geschrumpft. Auch die Gesamtzahl der Veranstaltungen auf dem Gelände hat sich nachweislich deutlich reduziert. Outdoor-Veranstaltungen außerhalb der Festivals finden, anders als früher, heute gar nicht mehr statt.
Das kleinste Hai in den Mai seit über zehn Jahren
Was die Besucherzahlen für das diesjährige Festival betrifft: Der Kartenvorverkauf ist verbindlich auf 4.999 Personen begrenzt, aktuell sind rund 3.800 Tickets verkauft, etwa 500 weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Normalerweise werden gerade in den letzten Tagen vor dem Festival die meisten Tickets verkauft. Dass dieser Effekt in diesem Jahr ausbleibt, ist unmittelbar auf den anhaltenden Schwebezustand des Genehmigungsverfahrens zurückzuführen, der potenzielle Besucher vom Kauf abhält. Selbst wenn die anvisierte Obergrenze von 4.999 Besuchern erreicht werden sollte, wäre das Hai in den Mai 2026 das kleinste Festival seit über zehn Jahren.
Wir brauchen jetzt Klarheit
Wir können gut verstehen, dass keine Behörde diejenige sein möchte, die das Festival absagt. Aber wenn der Kreis die Veranstaltung für nicht durchführbar hält, hätte er sie untersagen müssen, anstatt den Ball zurück zum Bürgermeister zu spielen. Und wenn der Bürgermeister meint, keine Genehmigung erteilen zu können, dann erwarten wir eine förmliche Entscheidung, keine weitere Untätigkeit. Jede verbindliche Entscheidung ist uns lieber als der aktuelle Schwebezustand, der niemandem nützt. Das Verfahren zwischen Kreis und Gemeinde so lange hin und her zu schieben, bis schlicht keine Zeit mehr für eine Reaktion bleibt, ist keine Lösung. Wir, unsere Gäste, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewerbetreibenden der Region brauchen jetzt Klarheit.
Wir haben den Bürgermeister mit Frist bis Montag 12 Uhr um eine verbindliche Entscheidung gebeten. Sollte diese ausbleiben, sehen wir uns gezwungen, alle verfügbaren Optionen in Betracht zu ziehen, auch wenn wir ein Verfahren gegen die Gemeinde eigentlich vermeiden wollen würden.
Stemwede-Wehdem. Der Kreis Minden-Lübbecke hat heute (22.04.) eine öffentliche Stellungnahme zu den Sicherheitsbedenken gegenüber dem Festival „Hai in den Mai 2026″ veröffentlicht. Dass wir als Veranstalter die Einschätzung des Kreises zu unserem Sicherheitskonzept erstmals auf der Webseite des Kreises zur Kenntnis nehmen, statt in einem direkten Austausch, befremdet uns. Gleichzeitig sehen wir uns zu mehreren sachlichen Richtigstellungen gezwungen, da einige der darin enthaltenen Darstellungen unserem Kenntnisstand nach nicht korrekt sind oder wesentliche Zusammenhänge außer Acht lassen.
Zwei grundverschiedene Ereignisse und ein bedeutsamer Unterschied
Der Kreis nennt zwei Vorfälle aus dem Jahr 2025 im Zusammenhang mit „Veranstaltungen auf dem Gelände der Waldfrieden GmbH“. Diese Gleichsetzung ist sachlich irreführend.
Beim Festival „Hai in den Mai“ im Mai 2025 gab es einen Vorfall, bei dem niemand schwer verletzt wurde. Das offizielle Protokoll der gemeinsamen Besprechung von Gemeinde Stemwede, Kreis, Polizei, Feuerwehr und ASB vom 26. Juni 2025 beschreibt den Verlauf des Festivals ausdrücklich als „sehr entspannte Gesamtsituation“. Der Vorfall wird dort nicht gesondert thematisiert.
Das Festival „Wald Healing“ vom 19. Juni 2025 hingegen wurde nicht von der Waldfrieden-Events GmbH veranstaltet. Das Gelände wurde an einen externen Veranstalter vermietet, der die Veranstaltung in eigener Verantwortung durchführte. Da es sich um eine Veranstaltung mit wenigen hundert Gästen handelte, bestand keine Pflicht zur Vorlage eines Sicherheitskonzeptes. Waldfrieden-Events GmbH trug für diese Veranstaltung keine organisatorische Verantwortung. Die Tragödie, die sich dort ereignet hat, hat uns tief betroffen. Beide Ereignisse in einer Stellungnahme zu verbinden und daraus Schlussfolgerungen für unsere Festivals zu ziehen, halten wir dennoch für nicht sachgerecht. Unser Festival richtet sich nicht zuletzt ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum und ist mit dem Wald Healing Festival daher in keiner Weise vergleichbar.
Konsequenzen wurden bereits 2025 gezogen und umgesetzt
Der Kreis schreibt, mögliche Erkenntnisse aus beiden Vorfällen seien im Sicherheitskonzept 2026 „nicht erkennbar eingearbeitet“ worden. Das ist falsch.
Schon im Juni 2025 haben wir gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Stemwede und des Kreises eine Besprechung durchgeführt, in der explizit die Frage stand, welche Konsequenzen aus den Ereignissen rund um das Wald Healing Festival für künftige Veranstaltungen zu ziehen sind. So wurde unter anderem gemeinsam vereinbart, dass der Einsatz von Arbeitsfahrzeugen auf dem Gelände nur noch unter verschärften Sicherheitsauflagen und in Begleitung des Sicherheitsdienstes erfolgt, und ein verbindlicher Standort für einen Hubschrauberlandeplatz festgelegt. Diese und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit wurden daraufhin in das Sicherheitskonzept aufgenommen. Auf dieser Grundlage fand das Waldfrieden Wonderland 2025 im August statt und verlief nach übereinstimmender Einschätzung aller beteiligten Behörden, wie das Protokoll der Nachbesprechung belegt, ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Für das „Hai in den Mai 2026″ haben wir das Konzept über dieses bereits bewährte Niveau hinaus nochmals erheblich ausgebaut, unter anderem durch die explizite Planung für einen Massenanfall von Verletzten, einen Rettungsmittelhalteplatz, weitere definierte Hubschrauberlandeplätze, Behandlungsflächen und koordinierten Abtransport.
Ein Widerspruch innerhalb der heutigen Kommunikation des Kreises
Die heute (22.04.) veröffentlichte Stellungnahme des Kreises behauptet, die Zufahrtsstraße weise nicht die geforderte Mindestbreite von 5,50 Metern auf. Das ist faktisch nicht richtig. Die Gemeinde Stemwede hat in ihrer offiziellen Stellungnahme vom heutigen Tag (22.04.) mitgeteilt, dass die Brandschutzdienststelle des Kreises die Umsetzung der Straßenverbreiterung auf 5,50 Meter ohne Einwände bestätigt hat. Dass dieselbe Kreisbehörde diesen Sachverhalt in ihrer eigenen öffentlichen Kommunikation anders darstellt, ist für uns nicht nachvollziehbar.
Kritikpunkte, die uns nie kommuniziert wurden
Selbstverständlich sind Waldwege im normalen Betrieb nicht dauerhaft beleuchtet, das wäre naturschutzrechtlich nicht zulässig. Für die Festivals wird eine temporäre Beleuchtung installiert, die nur im Bedarfsfall aktiviert wird. Das ist im Sicherheitskonzept so dargestellt und begründet. Was die Beschaffenheit einzelner Fluchtwege betrifft, stehen wir für eine Abstimmung jederzeit zur Verfügung.
Am 10. April 2026 haben wir dem zuständigen Ansprechpartner beim Rettungsdienst des Kreises eine detaillierte Planung zu Rettungsmittelhalteplatz, Behandlungsflächen, Rettungswegen und Hubschrauberlandeplätzen übermittelt und um Rückmeldung bis zum 15. April gebeten. Diese Rückmeldung ist bis heute (22.04.) ausgeblieben. Was uns fehlt, ist ein konstruktiver Austausch mit den zuständigen Behörden. Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Verfahren. Auch die Untere Naturschutzbehörde kommuniziert seit geraumer Zeit nicht mit uns als Veranstalter, sondern wandte sich zuletzt direkt an das von uns beauftragte Umweltplanungsbüro, während ein direkter Austausch mit uns ausbleibt. Wir wünschen uns ausdrücklich einen solchen Dialog.
Angekündigte Abstimmung, ausgebliebene Kommunikation
Noch vor Kurzem wurde uns eine gemeinsame Stellungnahme aller beteiligten Kreisämter in Aussicht gestellt. Stattdessen erfahren wir von der ausstehenden negativen Stellungnahme zuerst über die Webseite des Kreises. Wir haben in den vergangenen Wochen alles in unserer Macht Stehende getan, um die gestellten Anforderungen zu erfüllen, auch solche, die wir in ihrem Ausmaß für nicht verhältnismäßig halten. Dass Verfahrensdetails in der Öffentlichkeit diskutiert werden, anstatt den direkten Austausch mit dem Veranstalter zu suchen, entspricht nicht unserem Verständnis einer konstruktiven Zusammenarbeit. Von einer Kreisbehörde erwarten wir einen offenen, sachorientierten Dialog, in dem Fragestellungen und mögliche Konfliktpunkte frühzeitig und gemeinsam geklärt werden. Ziel sollte es sein, praktikable und rechtssichere Lösungen zu erarbeiten.
Unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit war zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.
Das Festival „Hai in den Mai“ findet seit Jahren auf dem Gelände des Waldfrieden in Stemwede statt und ist ein etablierter Bestandteil der regionalen Kulturlandschaft. Die Genehmigung für die Ausgabe 2026 ist derzeit Gegenstand eines behördlichen Verfahrens, an dem die Gemeinde Stemwede als Genehmigungsbehörde sowie die Kreisverwaltung Minden-Lübbecke mit verschiedenen Fachämtern beteiligt sind. Die Kreisverwaltung hat heute einen Beitrag zu diesem Verfahren veröffentlicht. Wie in unserer Pressemitteilung vom 17. April ausführlich dargestellt, steht der Waldfrieden durch dieses Verfahren vor einer existenzbedrohenden Situation. Zu einem in dem heutigen Beitrag enthaltenen Punkt sehen wir uns zu einer sachlichen Richtigstellung gezwungen.
In dem Beitrag wird ein vermeintlicher Widerspruch zwischen unserer öffentlichen Kommunikation und dem eingereichten Sicherheitskonzept für das „Hai in den Mai 2026″ konstruiert. Die Petition, auf die sich die Kreisverwaltung bezieht, lautet im Wortlaut: „In den vergangenen Jahren kamen jeweils zwischen 5.000 und 9.000 Besucher:innen zu den beiden Festivals im Wald.“ Diese Aussage beschreibt korrekt den Rahmen, in dem sich die Besucherzahlen beider Veranstaltungen im vergangenen Jahrzehnt bewegt haben. Sie ist keine Ankündigung für 2026.
Die tatsächliche Entwicklung der Besucherzahlen zeigt dabei ein klares Bild, das den zuständigen Behörden vollumfänglich bekannt ist:
Wonderland: 2017: 7.868 | 2018: 7.906 | 2019: 8.594 | 2022: 7.618 | 2023: 6.935 | 2024: 6.203 | 2025: 6.036
Hai in den Mai: 2017: 6.483 | 2018: 7.036 | 2019: 6.176 | 2022: 5.604 | 2023: 5.941 | 2024: 6.013 | 2025: 5.570
(In den Jahren 2020 und 2021 fielen beide Veranstaltungen pandemiebedingt aus.)
Der Trend ist eindeutig: Beide Festivals haben sich seit den Corona-Jahren in ihrem Umfang reduziert, nicht ausgedehnt. Die Darstellung, die Veranstaltung sei „deutlich gewachsen“, spiegelt die reale Entwicklung der letzten Jahre faktisch nicht wider. In keinem Jahr nach der Pandemie wurden die Besucherzahlen der Vorjahre wieder erreicht.
Im überarbeiteten Sicherheitskonzept für das „Hai in den Mai 2026″ haben wir die maximale Besucherzahl verbindlich auf 4.999 Personen festgelegt. Diese Zahl ist Grundlage unserer gesamten Planung. Wir verstehen daher nicht, warum historische Besucherzahlen vergangener Jahre in diesem Zusammenhang überhaupt eine Rolle spielen.
Zumal diese historischen Zahlen den Behörden zu keinem Zeitpunkt unklar waren. Den zuständigen Stellen werden die aktuellen Besucherzahlen an jedem Veranstaltungstag der Festivals viermal täglich übermittelt. Wir sind daher verwundert, dass die Kreisverwaltung in ihrem Beitrag dennoch ein Bild zeichnet, das den tatsächlichen Sachverhalt nicht korrekt abbildet.
Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen bedanken, die unsere Petition unterzeichnet haben. Über 17.500 Unterschriften in nur drei Tagen sind ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität und des Zuspruchs. Die Kreisverwaltung beschreibt diese Unterstützung als Reaktion aus den „Kreisen der Fans elektronischer Musik“. Die Statistiken der Petition zeigen jedoch ein anderes Bild: Der stärkste Zuspruch kommt aus der direkten Nachbarschaft des Waldfriedens, aus Stemwede und dem Kreis Minden-Lübbecke. Das deckt sich mit dem, was wir in diesen Tagen unmittelbar erleben. Die Solidarität, die uns aus der Region entgegengebracht wird, ist überwältigend. Es ist die lokale Bevölkerung, die hinter diesem Ort steht.
Abschließend möchten wir auf einen praktischen Umstand hinweisen, der die Dringlichkeit unserer Situation verdeutlicht. Die untere Naturschutzbehörde hat uns am vergangenen Freitag schriftlich mitgeteilt, dass ein Ablehnungsbescheid „voraussichtlich Anfang der kommenden Woche“ versandt werde. Heute, Dienstagabend, liegt uns weder eine Rückmeldung noch ein rechtsmittelfähiger Bescheid vor. Ohne einen solchen Bescheid ist es unseren beauftragten Anwälten nicht möglich, die rechtlichen Schritte einzuleiten, die die Kreisverwaltung in ihrem heutigen Beitrag ausdrücklich begrüßt. Wir sind weiterhin gesprächsbereit und hoffen auf eine konstruktive Lösung im Sinne aller Beteiligten.
Stemwede-Wehdem. Der Waldfrieden, eines der ältesten Open-Air-Festivalgelände für elektronische Musik in Deutschland, steht vor dem Aus. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Minden-Lübbecke hat angekündigt, die naturschutzrechtliche Genehmigung für das Festival „Hai in den Mai 2026″ (30. April – 3. Mai) zu verweigern. Der Ablehnungsbescheid soll Anfang kommender Woche zugestellt werden. Für die Waldfrieden-Events GmbH wäre dies nach fast 30 Jahren das finanzielle Ende. Die Gemeinde Stemwede steht hinter dem Waldfrieden, dem Veranstaltungsort, der seit seiner Gründung 1997 Teil des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Region ist. Das Waldfrieden Wonderland Festival findet seitdem jährlich statt und gehört damit zu den am längsten bestehenden Festivals für elektronische Musik in Deutschland. Jahr für Jahr reisen tausende Besucher aus ganz Deutschland und weit darüber hinaus an. Das Festival ist dabei weit mehr als ein kulturelles Ereignis: Zahlreiche lokale Handwerks-, Dienstleistungs- und Zuliefererbetriebe sind direkt in Aufbau und Betrieb eingebunden, tausende Besucher sorgen für Umsätze in Restaurants, Hotels, Taxis und Einzelhandel im ländlichen Raum. Was hier auf dem Spiel steht, ist nicht allein ein Festival, sondern ein Stück regionaler Wirtschaftsstruktur, die sich nicht einfach ersetzen lässt.
Das Hai in den Mai ist dabei mehr als nur ein Musikfestival. In den vergangenen Jahren kamen jeweils zwischen 5.000 und 9.000 Besucher zu den beiden Festivals im Wald. Das Line-up setzt sich aus Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt zusammen, internationale Größen der elektronischen Musik stehen dabei neben Nachwuchstalenten, denen der Waldfrieden seit jeher eine Bühne bietet. Viele DJs und Produzenten haben hier ihre Karriere begonnen. Parallel zur Musik bietet das Festival in der eigens dafür eingerichteten Healing Area ein umfangreiches, kostenloses Kulturprogramm: Yoga, naturkundliche Workshops, ein gemeinschaftliches Lebensmittelrettungspicknick und vieles mehr. Der Waldfrieden ist ein Ort der Gemeinschaft, der Begegnung und des gelebten Miteinanders, wie er im ländlichen Raum selten zu finden ist.
Bereit zur Umsetzung, und doch blockiert
Nach jahrelanger problemloser Genehmigungspraxis forderte die UNB plötzlich, zwei Monate vor Festivalbeginn, nachdem bereits tausende Tickets verkauft, zahlreiche Verträge mit Dienstleistern und Künstlern abgeschlossen und die Vorbereitungen längst in vollem Gange waren, erstmals eine vollständige Artenschutzprüfung, die üblicherweise Monate in Anspruch nimmt und fachlich erst im Sommer abgeschlossen werden kann. Der Waldfrieden hat dennoch umgehend reagiert und auf eigene Kosten eine Artenschutzprüfung der Stufe I erstellen lassen, die die konkreten Auswirkungen des Festivals auf die Natur zum Festivalzeitpunkt betrachtet und zu dem Schluss kommt, dass der Festivalbetrieb unter Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen mit dem Schutz der vorkommenden Arten vereinbar ist. Die im Gutachten benannten Maßnahmen, darunter sogenannte Vergrämungsmaßnahmen zum Schutz möglicher Brutstätten, könnte der Waldfrieden sofort umsetzen und will es auch. Der Haken: Ohne ausdrückliche Abstimmung und Freigabe durch eben jene UNB darf nichts davon umgesetzt werden, und die UNB verweigert diese Abstimmung aktiv und blockiert jede Kooperation. Der Waldfrieden ist also bereit, alle geforderten Maßnahmen zu erfüllen, wird aber von derselben Behörde daran gehindert, die gleichzeitig die Genehmigung verweigert.
30 Jahre, Bundesförderung, intakte Natur: Die Behörde sagt trotzdem Nein
Noch im Jahr 2025 hat die UNB die Genehmigungen für das Hai in den Mai und das Waldfrieden Wonderland erteilt und dabei ausdrücklich das öffentliche Interesse an der Veranstaltung festgestellt, unter anderem aus wirtschaftlichen und touristischen Erwägungen. An den Gegebenheiten hat sich seitdem nichts verändert. Das Gelände ist dasselbe, die Veranstaltungen sind in Art und Umfang identisch, die ökologischen Verhältnisse sind unverändert. Warum das öffentliche Interesse, das 2025 noch anerkannt wurde, 2026 plötzlich nicht mehr bestehen soll, bleibt ohne Erklärung.
Das vorliegende Artenschutzgutachten erhebt aus naturschutzfachlicher Sicht keine Einwände gegen das Festival als solches, es bestätigt ausdrücklich, dass die Veranstaltung durchgeführt werden kann. Hinweise darauf, dass der Waldfrieden in fast drei Jahrzehnten Festivalbetrieb der Natur des Stemweder Berges geschadet hätte, gibt es nicht.
Nicht zuletzt ist es eine besondere Ironie, dass ausgerechnet ein Unternehmen, das seit Jahren konsequent auf ökologische Verantwortung setzt, Strom aus erneuerbaren Energien schon seit 2011, ausschließlich vegetarische Bio-Verpflegung an den Essensständen, aktives Recyclingmanagement, nun durch eine Naturschutzbehörde in seiner Existenz bedroht wird. Der Waldfrieden ist kein Verursacher von Umweltschäden, er hat ökologisches Wirtschaften von Anfang an gelebt.
Den Corona-Lockdown hat das Unternehmen nur knapp überlebt, gestützt durch Fördermittel des Bundes aus dem Programm „Neustart Kultur“, die den Waldfrieden ausdrücklich als förderungswürdige Kulturinfrastruktur auswiesen. Ein Verbot des „Hai in den Mai 2026″ würde diese öffentliche Investition nachträglich zunichte machen. Eine Insolvenz wäre die Folge.
Juristische Gegenwehr und Bitte um Unterstützung
Die Waldfrieden-Events GmbH hat rechtliche Schritte gegen die drohende Ablehnung eingeleitet. Erschwerend kommt hinzu, dass bis heute kein rechtsmittelfähiger Bescheid vorliegt, gegen den rechtlich vorgegangen werden könnte. Der Kreis spielt auf Zeit, während der Aufbau läuft und im Stundentakt weitere Kosten entstehen. Gleichzeitig bittet der Waldfrieden die Öffentlichkeit um Unterstützung: durch Aufmerksamkeit, Solidarität und politischen Druck auf die zuständigen Entscheidungsträger.
„Kulturorte im ländlichen Raum entstehen nicht auf Knopfdruck. Was einmal verloren geht, kommt nicht wieder.“
Moritz Bichler, Vorstand des Waldfrieden Kultur e.V.